WordPress oder eigene Website? Vergleich für Unternehmen
WordPress oder eigene Website? Ehrlicher Vergleich für Unternehmen
Zwei Angebote auf dem Tisch: Website erstellen lassen mit WordPress, 3.500 Euro — Custom-Entwicklung, 9.000 Euro. Er nimmt halt WordPress. Achtzehn Monate später? Zahlt er nochmal — diesmal für die Migration. Kein Einzelfall.
WordPress oder Custom — die richtige Wahl hängt ja nich vom Bauchgefühl ab, sondern von drei Dingen: dein Geschäftsmodell, dein Budget über drei Jahre, deine technischen Anforderungen. Zahlen, Risiken, eine konkrete Decision-Hilfe — das liefert dir dieser Artikel.
Was WordPress kann – und wo die Grenzen liegen
Rund 43 Prozent aller Websites laufen laut W3Techs auf WordPress (W3Techs, 2025). Zufall ist das nicht. Bevor du über Alternativen nachdenkst: das System hat echte Stärken, und die solltest du eben auch anerkennen.
Einstiegskosten? Niedrig. Theme für 50 bis 80 Euro, Hosting für nen Zehner im Monat, ein paar Plugins obendrauf — fertig. Eine Woche später? Funktionale Website steht. Völlig okay ist das, wenn du Freelancer bist, lokaler Dienstleister oder Gründer, der halt erstmal ne digitale Visitenkarte braucht. Das Ökosystem dahinter ist ja echt riesig — über 59.000 Plugins im offiziellen Verzeichnis (WordPress.org Plugin Directory), eine Community, die dir bei Problemen meistens schnell weiterhilft, und Entwickler findest du an jeder Ecke.
Aber.
Wächst dein Unternehmen und du willst echte Geschäftsprozesse über die Website abbilden, wird's eng. CRM-Anbindung, individuelle Buchungslogik, mehrstufige Nutzerflows — am Ende klebst du Plugin-Ketten zusammen, weil keins davon exakt das tut, was du eigentlich brauchst. Ein einziger Prozess, drei Plugins dafür. Jedes mit eigenen Abhängigkeiten, eigenen Update-Zyklen, eigenen Datenbanktabellen. Nen Tech-Stack nennst du das? Nee. Kartenhaus trifft's eher.
Und wie sieht's mit Performance aus? Laut HTTPArchive wiegt die mittlere WordPress-Seite auf Desktop 2,6 MB — bei einer Total Blocking Time von über 600 ms (HTTPArchive Web Almanac, 2024). Eigenes CSS, eigenes JavaScript — jedes Plugin schleppt halt seinen eigenen Kram mit. Features, die du nie anfasst, packen Theme-Frameworks trotzdem drauf — und dein Browser muss das alles parsen. Deine Core Web Vitals? Leiden. Und Google merkt sich das fürs Ranking, keine Frage.
Nächstes Thema: DSGVO. Welche deiner Plugins Daten an US-Server schicken, wissen die meisten WordPress-Betreiber schlicht nicht (mal ehrlich — du?). Google Fonts werden nachgeladen, reCAPTCHA ist drin, Analytics läuft ohne Consent. Classic. Der Plugin-Entwickler aus Utah, der sein Projekt letztes Jahr aufgegeben hat — der trägt das Risiko ja nicht. Das bist du als Betreiber. Privacy Shield ist weg, Schrems-Urteile laufen weiter — das ist halt kein Kavaliersdelikt mehr.
Abhängigkeit. Da liegt das eigentliche Problem, und die meisten unterschätzen es komplett. Dein Layout? Busted — weil irgendein Theme-Update durchgelaufen ist. Irgendein Entwickler hat keinen Bock mehr, und plötzlich wird dein Plugin eingestellt. Major Releases von WordPress erzwingen Anpassungen, die deine Customizations einfach breaken — da hast du halt null Kontrolle. Deine technische Basis gehört dir ja eben nicht. Mietest du nur.
Zum Starten? Solide. Für ein Unternehmen, das in zwei Jahren nicht mehr dasselbe sein will wie heute? Da musst du wissen, worauf du dich einlässt.
WordPress oder eigene Website: Wann sich Custom-Entwicklung lohnt
Drei Plugins für eine Buchungsfunktion, zwei für die CRM-Anbindung, eins für den Konfigurator. Dazu ein Page Builder, ein Caching-Plugin und irgendein SEO-Tool. Das sind acht Abhängigkeiten, bevor du eine einzige Zeile eigenen Code geschrieben hast.
Ab diesem Punkt lohnt sich Custom-Entwicklung. Nicht als Luxus. Als wirtschaftliche Entscheidung.
Die Faustregel, die wir bei unserer Webentwicklung bei Ariside intern nutzen: Wenn du mehr als drei Plugins brauchst, um Kernfunktionen deines Geschäftsmodells abzubilden, bist du mit WordPress falsch unterwegs. Kernfunktionen, nicht Nice-to-haves – also nicht das Cookie-Banner, sondern die Angebotslogik, die Terminbuchung, die Schnittstelle zu deinem ERP oder CRM.
Bestimmte Branchen merken das schneller als andere. B2B-Dienstleister mit mehrstufigen Angebotsstrukturen etwa. Oder E-Commerce-Unternehmen, die individuelle Produktkonfiguratoren brauchen statt ein WooCommerce-Standardlayout. Unternehmen mit hohem Beratungsbedarf, bei denen die Website ein Vertriebstool ist – kein digitales Schaufenster. Für die ist eine eigens entwickelte Lösung kein Upgrade. Die brauchen das von Anfang an.
Ein Aspekt, der in der Debatte WordPress oder eigene Website oft untergeht: Zukunftssicherheit. Headless-Architekturen, API-first-Ansätze, Progressive Web Apps – laut dem Jamstack Community Survey 2023 setzen bereits 42 Prozent der professionellen Webentwickler auf Headless-CMS-Architekturen (Netlify Jamstack Survey, 2023). Mit Custom-Code ist das nativ drin. Bei WordPress musst du das System gegen seine eigene Architektur verbiegen – mit WP REST API, externen Frontends und einem Haufen Workarounds.
Dann Differenzierung. Template-basierte WordPress-Seiten sehen nun mal aus wie template-basierte WordPress-Seiten. Dein Wettbewerber kauft dasselbe Theme für 79 Euro, tauscht Logo und Farben aus. Fertig. Wenn jemand auf eine individuell entwickelte Website kommt, merkt er sofort: da hat jemand mitgedacht. Das klingt nach Soft Factor, ist aber messbar. Eine Stanford-Studie – zugegeben aus 2002, aber seitdem vielfach repliziert – ergab, dass 75 Prozent der Nutzer die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens anhand des Website-Designs bewerten (Stanford Web Credibility Research, 2002). In einer Zeit, in der Template-Websites allgegenwärtig sind, dürfte dieser Effekt eher stärker als schwächer ausfallen.
Skalierbarkeit ohne Technical Debt — das ist ehrlich gesagt der wichtigste Punkt. Custom-Code wächst mit deinem Unternehmen. Neues Feature? Wird sauber integriert. Neue Schnittstelle? Anbauen. Fertig. Bei WordPress stapelst du Plugin auf Plugin, und nach zwei Jahren traut sich niemand mehr, irgendetwas anzufassen, weil keiner weiß, was dann kaputtgeht.
Und ja — das passt halt auch in ein Budget von 3.000 bis 15.000 Euro. Nicht jede Custom-Website ist ein Sechs-Monate-Projekt mit Enterprise-Budget. Moderne Frameworks wie Next.js oder Astro, kombiniert mit einem Headless-CMS, liefern in vier bis sechs Wochen Ergebnisse, die WordPress-Seiten in Performance, Sicherheit und Wartbarkeit alt aussehen lassen.
Wer heute billig kauft, zahlt in 18 Monaten nochmal.
WordPress Kosten vs. eigene Website: Ehrlicher Vergleich über 3 Jahre
4.500 Euro Unterschied bei der Anfangsinvestition. Das ist die Zahl, die die meisten Gründer sehen – und dann ist die Entscheidung gefallen. WordPress gewinnt. Rechnung fertig.
Nur dass die Rechnung eben nicht fertig ist.
Schauen wir uns das ehrlich an. Ein typisches WordPress-Projekt im Mittelstand liegt bei 2.000 bis 6.000 Euro: Theme-Lizenz, Setup, Plugin-Konfiguration, Content-Einpflege, vielleicht ein bisschen Custom CSS. Individuell entwickelt, selbes Zielbudget: 5.000 bis 15.000 Euro. Soweit das, was auf dem Angebot steht. Für eine detailliertere Aufschlüsselung dieser initialen Kosten schau dir unseren Artikel an: Was kostet eine professionelle Website 2026.
Aber dann kommt Jahr eins. Jahr zwei. Jahr drei.
WordPress heißt eben auch: jedes Jahr Premium-Plugin-Lizenzen verlängern (Elementor Pro, WPForms, WPML, WooCommerce-Extensions). Dazu ein Security-Plugin, weil WordPress laut Sucuri im Jahr 2023 für 96,2 Prozent aller infizierten CMS-Websites verantwortlich war (Sucuri Website Threat Research Report, 2023). Dann Plugin-Konflikte nach Updates, die ein Entwickler fixen muss. Performance-Optimierung, weil dein Lighthouse Score nach dem fünften Plugin auf 40 gefallen ist. DSGVO-Nachbesserungen, weil wieder irgendein Plugin externe Requests macht, von denen du nichts wusstest.
Laufende Kosten? Realistisch 1.500 bis 3.000 Euro im Jahr.
Custom-Entwicklung? Hosting, kleinere Anpassungen, Security-Updates. Weniger bewegliche Teile bedeuten weniger Dinge, die kaputtgehen können. 500 bis 1.500 Euro pro Jahr.
Jetzt rechnen wir.
WordPress über 3 Jahre: 2.000–6.000 (initial) + 3 × 1.500–3.000 (laufend) = 6.500–15.000 Euro
Custom über 3 Jahre: 5.000–15.000 (initial) + 3 × 500–1.500 (laufend) = 6.500–19.500 Euro
Die Schere schließt sich. Bei mittlerem Funktionsumfang liegen beide Optionen praktisch gleichauf. Und sobald dein Projekt etwas komplexer wird, kippt es zugunsten von Custom – weil WordPress dann nicht mehr drei Plugins braucht, sondern acht, und jedes davon kostet Lizenz, Wartung und Nerven.
Dazu kommt ein Faktor, den du in deine Kalkulation einbeziehen solltest: Return on Investment durch Performance. Google hat dokumentiert, dass die Wahrscheinlichkeit eines Bounce um 32 Prozent steigt, wenn die Ladezeit von einer auf drei Sekunden wächst (Google/SOASTA Research, 2017). Gut optimierte Custom-Websites erreichen Ladezeiten unter einer Sekunde – das belegen Benchmarks von Frameworks wie Astro und Next.js, die statische Seiten mit minimaler JavaScript-Last ausliefern (Astro Performance Benchmarks). Wenn deine Website 500 Besucher im Monat hat und du durch bessere Performance nur 0,5 Prozent mehr Conversion erreichst, sind das bei einem durchschnittlichen Auftragswert von 2.000 Euro bereits 5.000 Euro Mehrumsatz pro Jahr.
Das refinanziert den Mehrpreis nicht in Monaten. In Wochen.
Also nee — die teure Entscheidung ist nicht die mit dem höheren Anfangspreis. Teuer wird's, wenn du nach 18 Monaten wieder bei Null anfängst.
Sicherheit und Wartung: WordPress oder eigene Website im Alltag
96,2 Prozent. Diese Zahl aus dem Sucuri-Report habe ich im Kostenvergleich bereits erwähnt, aber sie verdient eigenen Kontext. 96,2 Prozent aller gehackten CMS-Seiten im Jahr 2023 liefen auf WordPress (Sucuri Website Threat Research Report, 2023). Nicht weil WordPress per se unsicherer Code wäre. Sondern weil 43 Prozent Marktanteil das System zum lohnendsten Ziel für automatisierte Angriffe machen. Hacker schreiben keine individuellen Exploits für deine Firmenwebsite. Die schreiben Bots, die bekannte Schwachstellen in populären Plugins scannen – und WordPress liefert dafür die größte Angriffsfläche der Welt.
Aber mal ehrlich: der große Hack ist im Alltag gar nicht dein eigentliches Problem. Es ist das Update-Dilemma.
WordPress Core bringt Major Releases. Dein Theme bringt Updates. Deine 8 bis 15 Plugins bringen Updates. Und all das muss miteinander funktionieren. Ein einziges Plugin, das nach einem Core-Update nicht kompatibel ist, kann deine gesamte Seite lahmlegen. White Screen of Death, wie WordPress-Entwickler das liebevoll nennen. Ein Patchday bei WordPress fühlt sich an wie russisches Roulette: Du klickst auf „Alle aktualisieren" und hoffst, dass danach noch alles läuft.
Die Zahlen dazu: Laut WPScan wurden allein 2024 über 7.900 neue Sicherheitslücken in WordPress-Plugins dokumentiert (WPScan Vulnerability Database, 2024). Siebentausendneunhundert. In einem Jahr.
Bei einer eigenen Website existiert dieses Problem strukturell nicht. Kein öffentlich bekannter Quellcode, den Bots scannen können. Keine Standard-Login-URL unter /wp-admin, die jeder kennt. Keine Plugin-Abhängigkeiten mit unbekanntem Sicherheitsstatus. Die Angriffsfläche ist architektonisch kleiner, weil nur das im Code steht, was du tatsächlich brauchst.
Dann der Wartungsaufwand. Updates prüfen, Backups testen, Monitoring checken, Plugin-Kompatibilität sicherstellen — WordPress will halt jeden Monat Aufmerksamkeit von dir. Ignorierst du das sechs Monate lang, hast du ein handfestes Security-Risiko. Custom-Websites laufen mit quartalsweisen Check-ups stabil, weil es schlicht weniger bewegliche Teile gibt, die kaputtgehen können.
Ein Punkt, der bei der Frage WordPress oder eigene Website oft übersehen wird: DSGVO im laufenden Betrieb. Bei WordPress musst du nach jedem Plugin-Update prüfen, ob plötzlich neue externe Verbindungen aufgebaut werden, ob neue Cookies gesetzt werden, ob Daten an Server fließen, die in deiner Datenschutzerklärung nicht stehen. Das passiert still und leise im Hintergrund. Bei einer eigens entwickelten Website ist der Datenfluss von Tag eins definiert und kontrollierbar. Du hast es selbst gebaut — klar weißt du dann, was wohin geht.
Sicherheit ist kein Feature, das du nachträglich draufschraubst. Saubere Architektur oder ewiges Hinterherrennen. Dazwischen gibt's halt nix. Bei WordPress rennst du.
Entscheidungshilfe: 5 Fragen – WordPress oder eigene Website?
Du hast jetzt die Zahlen, die Risiken, die Architektur-Argumente. Ob WordPress oder eigene Website für dein konkretes Unternehmen die richtige Wahl ist, hängt aber von deiner Situation ab. Nicht von meiner Meinung.
Fünf Fragen. Die reichen, damit du das selbst rausfindest.
1. Wie komplex sind deine Anforderungen – ehrlich?
Kontaktformular, ein paar Unterseiten, Blog. Fertig? Dann nimm WordPress. Ernsthaft. Genau dafür wurde das Ding gebaut — und genau da liefert es auch ab. Aber sobald du ein Buchungssystem brauchst, ein Kundenportal, einen Produktkonfigurator oder irgendeine Logik, die über „Formular abschicken" hinausgeht – bist du im Plugin-Kartenhaus-Territorium. Da willst du nicht hin.
2. Ist deine Website Visitenkarte oder Vertriebskanal?
Leute sollen deine Telefonnummer finden? Template reicht. Fertig. Wenn sie aber Leads generieren soll, wenn du Conversion Rates trackst und A/B-Tests fährst, wenn die Website dein wichtigstes Sales-Tool ist – dann brauchst du volle Kontrolle über jeden Pixel und jeden Ladevorgang. Das geht mit WordPress. Theoretisch. In der Praxis kämpfst du halt gegen das System, nicht mit ihm — und das merkt man.
3. Wo stehst du in 12 Monaten?
Neue Märkte, neue Produktlinien, Anbindung ans CRM, mehrsprachiger Content, API-Integrationen mit externen Tools – wenn irgendetwas davon auf deiner Roadmap steht, rechne den Migrationsaufwand mit ein. Erfahrungswerte aus unseren eigenen Projekten bei Ariside zeigen: Von WordPress auf Custom umzuziehen kostet typischerweise 60 bis 80 Prozent des Original-Budgets nochmal obendrauf. Das ist kein Upgrade. Das ist ein Neustart.
4. Wer kümmert sich um die Wartung?
Hast du jemanden im Team, der sich regelmäßig um Updates, Backups, Plugin-Kompatibilität und DSGVO-Checks kümmert? Nein? WordPress nebenbei selbst verwalten? Das ist kein Side Project, das ist ein Vollzeitrisiko. Eine Custom-Website mit Wartungsvertrag kostet dich weniger Nerven und oft auch weniger Geld als der Freelancer, den du alle drei Monate anrufen musst, weil nach dem letzten Update wieder irgendetwas kaputt ist.
**5. Mal ehrlich — was ist dein Budget-Rahmen, wenn du über 3 Jahre rechnest?
Die wichtigste Frage kommt jetzt. Bewusst ganz am Ende. Nicht weil sie am wenigsten zählt, sondern weil die Antworten auf Frage 1 bis 4 bestimmen, ob deine 3-Jahres-Rechnung bei WordPress oder Custom günstiger ausfällt. Nur die Anfangsinvestition vergleichen ist wie Äpfel kaufen und auf das Preisschild von Birnen schauen.
Wenn du bei drei oder mehr dieser Fragen Richtung Custom tendierst, ist die Antwort eigentlich klar. „WordPress reicht" — sagst du das bei allen fünf ehrlich so, dann reicht WordPress halt auch. Kein Drama.
Aber vielleicht denkst du nach dem Durchgehen eher: „Keine Ahnung, wo ich da genau stehe." Auch das ist ne Antwort. Bevor du 5.000 Euro in die falsche Richtung ballerst, lohnt sich halt ein Gespräch. Kostenloses Erstgespräch buchen — wir schauen uns deine Situation an und sagen dir ehrlich, ob ne eigene Website Sinn ergibt oder ob WordPress der bessere Move ist. 30 Minuten, kostet nichts — danach weißt du, wohin die Reise geht.